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Vivi Calissendorff
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Vivi Calissendorff kam über einen Ausbildungsweg, der zwei Länder und zwei sehr unterschiedliche Traditionen kreuzte, zur Keramik. Geboren 1930 in Helsinki, schrieb sie sich 1949 am Konstfack in Stockholm ein und verbrachte ein prägendes Jahr damit, die Betonung der schwedischen Designschule auf ehrliche Materialien und funktionale Form aufzunehmen. Anschließend zog sie nach London und an die Central School of Arts and Crafts, wo sie von 1950 bis 1952 studierte – und in dieser Zeit verschob sich ihre Laufbahn endgültig.
Von London aus machte sie sich auf den Weg nach St Ives an der Küste von Cornwall, wo der Studiokeramiker Bernard Leach das damals spirituelle Zentrum der englischen Kunsthandwerk-Keramikbewegung etabliert hatte. Die Begegnung mit Leachs Philosophie – dass ein Gefäß die Hand seines Schöpfers tragen sollte, dass bei hoher Temperatur gebrannter Ton eine andere Wahrheit erzählt als dekoratives Steingut – prägte Calissendorffs Arbeitsweise für den Rest ihres Lebens. Sie kehrte nach Schweden zurück und ließ sich in Täby, nördlich von Stockholm, nieder, wo sie ihre eigene Werkstatt und ihren Ofen baute und Steinzeug bei 1300 Grad brannte.
Die Werke, die sie in den folgenden Jahrzehnten schuf, entziehen sich einer einfachen Kategorisierung. Ihr Schaffen reichte von kleinen, streng kontrollierten Miniaturgefäßen bis hin zu Wandreliefs von beträchtlichem Ausmaß und Ehrgeiz – Werke wie „Dansen“ und „Funna i sanden“, die die Tonoberfläche als Gelände für Textur und Relief behandeln und nicht als Behälter. Sie gab Kurse in ihrer Täby-Werkstatt und stellte regelmäßig aus, wobei sie Werke in Schweden, den Vereinigten Staaten, Kroatien und Dänemark zeigte. Ihre Arbeiten wurden in die Sammlung des Nationalmuseums in Stockholm aufgenommen.
Calissendorff war bis weit in ihre Achtziger hinein noch am Drehen und Bauen, was sowohl von ihrem körperlichen Engagement für das Material als auch von der anhaltenden kreativen Energie zeugt, die sie in ihre Praxis einbrachte. Sie hatte ein besonderes Gespür für das Miniaturformat – kleine glasierte Steinzeugobjekte mit einer Dichte und Vollständigkeit, die größere Werke nicht immer erreichen. Gleichzeitig zeigen die wandhängenden Reliefs eine skulpturale Sicherheit, die sich über die Jahrzehnte entwickelte.
Sie starb am 28. April 2023. Auf dem nordischen Auktionsmarkt erscheinen Calissendorffs Keramiken regelmäßig bei Stockholms Auktionsverk, das den Großteil ihrer 18 verzeichneten Auktionsauftritte ausmacht – aufgeteilt zwischen ihren Standorten Sickla und Magasin 5 – mit weiteren Auftritten bei Crafoord Auktioner in Stockholm. Der Markt für ihre Werke ist stabil und nicht spekulativ, was ihre Position in der schwedischen Studiokeramik widerspiegelt: bedeutend, aber nie ganz im Mainstream.