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Vitra
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Eine Reise nach New York im Jahr 1953 verwandelte ein bescheidenes Schweizer Ladenbauunternehmen in einen der bedeutendsten Möbelhersteller des zwanzigsten Jahrhunderts. Willi Fehlbaum, der 1937 die Ladenbaufirma Graeter in Basel übernommen hatte, und seine Frau Erika besuchten einen Showroom und stießen zum ersten Mal auf die Möbel aus Formsperrholz und Fiberglas von Charles und Ray Eames. Die Begegnung war entscheidend. Fehlbaum verhandelte eine europäische Produktionslizenz mit Herman Miller, und bis 1957 liefen die ersten Eames-Entwürfe in Birsfelden vom Band. Das Unternehmen leitet seinen Namen von "vitrine" ab, dem deutschen Wort für Schaukasten, eine Anspielung auf seine Ursprünge.
1950 hatte Erika Fehlbaum eine Produktionsstätte in Weil am Rhein, direkt jenseits der deutschen Grenze von Basel, eingeweiht. Dieser Standort sollte zum Vitra Campus heranwachsen, einer der bemerkenswertesten Konzentrationen zeitgenössischer Architektur weltweit. Ein Brand im Jahr 1981 zerstörte einen Großteil der ursprünglichen Fabrik, doch das anschließende Wiederaufbauprogramm wurde zu einem architektonischen Statement für sich. Frank Gehry entwarf 1989 das Vitra Design Museum, sein erstes Gebäude in Europa, mit seinen dramatisch geschwungenen weißen Formen. Zaha Hadid steuerte eine Feuerwache bei. Tadao Ando, Alvaro Siza, SANAA und Herzog & de Meuron fügten dem Campus weitere Strukturen hinzu und machten ihn zu einer Pilgerstätte für Architektur- und Designliebhaber.
Der Produktkatalog von Vitra liest sich wie eine Geschichte des modernen Möbeldesigns. Neben der Eames-Kollektion, die nach wie vor das kommerzielle Rückgrat des Unternehmens bildet, hält Vitra die Produktionsrechte an Entwürfen von George Nelson, Isamu Noguchi, Jean Prouvé und Alexander Girard. Die Zusammenarbeit des Unternehmens mit Verner Panton führte 1967 zum Panton Chair, dem ersten einteiligen, spritzgegossenen Kunststoffstuhl, einem Stück, das seitdem zu einer Ikone des Designs der 1960er Jahre geworden ist. Neuere Kooperationen mit Designern wie Jasper Morrison, Ronan und Erwan Bouroullec sowie Hella Jongerius halten den Katalog zeitgemäß und bewahren gleichzeitig den Schwerpunkt auf qualitativ hochwertiger Produktion, den die Familie Fehlbaum etabliert hat.
Im Jahr 2013 erwarb Vitra Artek, das finnische Möbelunternehmen, das von Alvar und Aino Aalto gegründet wurde, und festigte damit seine Position als Hüter des Erbes des modernistischen Designs. Die Sammlung des Vitra Design Museums mit über 20.000 Objekten dient sowohl als wissenschaftliche Ressource als auch als kulturelle Attraktion mit international reisenden Ausstellungen.
Auf nordischen Auktionen erscheinen Vitra-Objekte hauptsächlich über Stockholms Auktionsverk, das den größten Anteil an seinen Standorten Stockholm, Hamburg und Düsseldorf abwickelt. Der Eames Lounge Chair mit Ottoman erzielt durchweg die höchsten Preise, wobei Spitzenresultate 48.210 SEK und mehr erreichen. Eames Bürostühle und Noguchi Couchtische werden ebenfalls rege gehandelt. Mit fast 200 Objekten auf Auctionist spiegelt die Auktionspräsenz von Vitra den anhaltenden Sekundärmarkt für gut gemachte modernistische Möbel wider, wo Markenherkunft und Design-Stammbaum die starke Samlernachfrage aufrechterhalten.