
KünstlerNorwegiangeb.1904–gest.1977
Reidar Aulie
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Geboren am 13. März 1904 in Kristiania (heute Oslo), wuchs Reidar Aulie in einem bürgerlichen Haushalt auf, der wenig Anhaltspunkte für den radikalen künstlerischen Weg bot, der ihm bevorstand. Er studierte an der Norwegischen Akademie der Bildenden Künste unter Christian Krohg und Axel Revold, zwei Malern, die ihm Respekt vor direkter Beobachtung und der menschlichen Figur vermittelten. Nach seinem Debüt auf der Herbstausstellung 1927 reiste Aulie nach Paris, wo der Tod des norwegischen Künstlerkollegen Bjarne Ness einen tiefen Eindruck hinterließ. Die Stadtlandschaften und sozialen Texturen von Paris, kombiniert mit späteren Besuchen in Berlin, prägten eine visuelle Sprache, die in erzählerischem Stil und roher emotionaler Ehrlichkeit verwurzelt war.
Ende der 1920er Jahre hatte sich Aulie der Darstellung des Lebens der norwegischen Arbeiterklasse in Oslos Ostseite verschrieben. Gemälde wie Østkantbro (1928) und Demonstrasjon (1929) bezogen sich auf die deutsche Neue Sachlichkeit und den sowjetischen sozialistischen Realismus, doch Aulies Ansatz war nie streng doktrinär. Seine Palette tendierte zu kräftigen, kontrastierenden Farben, und seine Figuren trugen ein Gewicht, das eher aus Empathie als allein aus Ideologie resultierte. Er war ein aktiver Teilnehmer der Arbeiterbewegung, und diese Beteiligung floss direkt in seine Kompositionen ein, die oft gewöhnliche Menschen in den Mittelpunkt politischer und sozialer Umwälzungen stellten.
Die deutsche Besetzung Norwegens im Jahr 1940 drängte Aulies Werk in neues Terrain. Versteckt auf einem kleinen Bauernhof seiner Schwiegereltern in Eidsberg, malte er während der Kriegsjahre einige seiner wichtigsten Bilder, wobei 1943 seine produktivste Periode war. Werke wie 9. april 1940, das den Tag der Nazi-Invasion darstellt, und Morgenappell på Grini, eine eindringliche Szene eines morgendlichen Appells im Gefangenenlager Grini, trugen die Dringlichkeit gelebter Erfahrung. Er selbst wurde 1945 verhaftet und kurzzeitig in Grini festgehalten. Als der Frieden zurückkehrte, malte er Fri (1945), eine Befreiungsszene, die zu einer seiner bekanntesten Leinwände wurde.
1950 vollendete Aulie ein monumentales Fresko im Rathaus von Oslo mit dem Titel Arbeiderbevegelsens historie, eine weitläufige visuelle Chronik der norwegischen Arbeiterbewegung. Der Auftrag festigte seine Position als einer der führenden öffentlichen Künstler des Landes. Seine spätere Karriere verlagerte sich in Richtung Lehre. Er wurde 1958 Professor an der Norwegischen Nationalen Akademie der Bildenden Künste und war von 1965 bis in seine letzten Jahre deren Rektor. 1964 erhielt er den Prinz Eugen-Medaille vom König von Schweden, eine Auszeichnung für herausragende künstlerische Leistungen in ganz Skandinavien. Im selben Jahr wurde er auch in die Königlich Schwedische Akademie gewählt.
Aulies Gemälde befinden sich in bedeutenden norwegischen Sammlungen, darunter das Nasjonalmuseet in Oslo, wo Werke wie Fri, The Dance (1953) und On the Way Home (1965) weiterhin ausgestellt sind. Das Stavanger Kunstmuseum beherbergt ebenfalls mehrere seiner Werke. Seine Kunst dient weiterhin als visuelles Zeugnis der sozialen und politischen Turbulenzen Norwegens im 20. Jahrhundert.
Auf dem Auktionsmarkt erscheint Aulies Werk regelmäßig bei norwegischen Häusern, wobei 107 Objekte bei Auctionist verzeichnet sind. Die überwiegende Mehrheit, 105 Lose, wurde über Grev Wedels Plass Auksjoner in Oslo abgewickelt, was einen stark heimischen Markt für seine Werke widerspiegelt. Zu den Spitzenresultaten gehören Kveld i Paris für 420.000 NOK, The Runner of the Cafe (1951) für 190.000 NOK, The Gardener's Cart (1945) für 151.000 NOK und Maskinrom (1930) für 130.000 NOK.