
KünstlerEstonian
Raul Meel
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Raul Meel wurde am 2. März 1941 auf dem Bauernhof Reino im Dorf Jalase, Kreis Harju, Estland, geboren. Er studierte Elektrotechnik an der Technischen Universität Tallinn (1959-1964), und diese technische Ausbildung prägte alles, was folgte. Er besuchte nie eine Kunstschule, doch bereits in den frühen 1970er Jahren stellte er international aus und war der einzige estnische Künstler, der während der Blütezeit der grafischen Kunst (1962-1980) Mitglied des Internationalen Clubs der Preisträger der Internationalen Grafikbiennalen war.
Meels Schaffen entzieht sich einer einfachen Kategorisierung. Er arbeitet gleichzeitig als Grafiker, konkreter Dichter, Bildhauer, Installationskünstler, Maler, Performancekünstler und Imker. Sein zentrales Anliegen ist die Schnittstelle von Natur, Sprache und Technologie – in Silben und Phoneme zerlegte Texte, visuelle Formen, die auch lesbar sind, Bilder, die Klang kodieren. Die Serigraphie-Serie "Under the Sky" (begonnen 1973, erweitert 1992) umfasste 3.000 Seiten, eine Skala, die selbst eine Aussage ist.
Der "Singende Baum" (Laulev puu, 1969-1970) gehört zu seinen am häufigsten zitierten frühen Werken: eine maschinengeschriebene Zeichnung und Serigraphie, in der Sprache zur Landschaft wird. Die großformatigen Serigraphien "Windows and Landscapes" (1986-1992, bis zu 100 x 160 cm) greifen die Konturen der estnischen Landkarte, vergitterte Fenster und eine eingeschränkte Farbpalette aus Blau, Weiß und Schwarz auf – Bilder, die in den letzten Jahren der sowjetischen Besatzung entstanden sind und ein unverkennbares politisches Gewicht tragen, ohne didaktisch zu sein.
Meel hat an über 600 Gruppenausstellungen teilgenommen und über 100 Einzelausstellungen bestritten, darunter 2014 eine große Retrospektive mit dem Titel "Dialogues with Infinity" im Kumu Kunstmuseum in Tallinn. Seine insgesamt 26 Feuerperformances erweitern sein Schaffen zu einem ephemeren Spektakel. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Eduard Viiralt Award (1989), der Kristjan Raud Art Prize (1989), ein UN-Kulturpreis (1995), ein Kulturpreis der Republik Estland (1997, 1998) und der Estonian Culture Capital Lifetime Achievement Award for Visual and Applied Arts (2015).
Auf dem Kunstmarkt erscheint Meels Werk hauptsächlich über schwedische Auktionshäuser – Crafoord Auktioner in Malmö und Bukowskis in Stockholm machen den Großteil der 21 auf Auctionist verzeichneten Lose aus. Die Serigraphien "Windows and Landscapes" dominieren, mit Spitzenpreisen von bis zu 4.390 SEK. Die anhaltende Nachfrage nach diesen Editionen deutet auf eine stabile Sammlergemeinde hin, insbesondere unter Käufern mit baltischen Verbindungen, obwohl die Preise im Verhältnis zu seiner institutionellen Stellung in Estland bescheiden bleiben.