
KünstlerNorwegiangeb.1909–gest.1999
Ragnar Kraugerud
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Ragnar Kraugerud wuchs in Norwegen auf und studierte von 1930 bis 1932 an der Staatlichen Kunstakademie in Oslo, wo er bei Halfdan Strøm und Axel Revold ausgebildet wurde. 1932 debütierte er auf der Høstutstillingen mit zwei Werken, "Fra Stavernøya" und "Sjakten". Im selben Jahr lernte er auf einer wegweisenden Ausstellung deutscher Expressionisten im Kunstnernes Hus Karl Schmidt-Rottluff, Emil Nolde und Paul Klee kennen. Diese doppelte Begegnung – akademische Strenge von Revold, rohe formale Energie von den Deutschen – legte die Koordinaten seiner Malerei für den Rest seines Lebens fest.
Ab den späten 1930er Jahren ließ sich Kraugerud in einem alten Holzhaus in Slependen bei Oslo nieder, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1987 lebte. Sein Gemälde "Hoggere" (Holzfäller) von 1937 gilt weithin als sein Durchbruch: dunkle, vereinfachte Figuren von Holzfällern in einem Wald, die Farbe in dichten, geschichteten Pinselstrichen aufgetragen. Der französische Maler Georges Rouault war ein besonderer Prüfstein – Kraugerud teilte sein Interesse an schweren schwarzen Umrissen, die Formen zu etwas nahe dem Buntglas komprimieren.
Sein Sujet war über Jahrzehnte hinweg konstant: Waldarbeiter, Pferde, Badende, Hafenszenen, Küstenleben. Die Figuren sind nie heroisch oder sentimentalisiert; sie existieren in praktischem, körperlichem Kontakt mit ihrer Umgebung – beim Hacken, Baden, Stehen im flachen Wasser. Was sich im Laufe seiner Karriere verändert, ist die Handhabung der Farbe, die zunehmend verkrusteter und taktiler wurde. Er baute die Oberflächen Schicht für Schicht auf, bis sie ein raues, fast skulpturales Relief hatten.
Kraugerud war keine öffentliche Figur. Er stellte selten aus, gab wenige Interviews und lebte zurückgezogen in Slependen, mit wenig Interesse an der Aufmerksamkeit der Kunstwelt. Trotz dieser Zurückhaltung fand sein Werk seinen Weg in bedeutende norwegische Institutionen. Das Nasjonalmuseet besitzt mindestens fünfzehn seiner Gemälde, darunter "Loggers", "Horses" und "In the Wood", und seine Werke fanden auch Eingang in die Sammlung des Moderna Museet in Stockholm – eine seltene Auszeichnung für einen norwegischen Maler der Jahrhundertmitte, der sich weitgehend der Eigenwerbung entzog.
Auf dem Auktionsmarkt erscheint Kraugeruds Werk hauptsächlich über Grev Wedels Plass Auksjoner in Oslo, die 35 seiner 37 verzeichneten Auftritte auf Auctionist ausmachen. Seine höchsten Ergebnisse konzentrieren sich auf figurative und maritime Motive: "Badeliv" erzielte 35.000 NOK, "Mannshode" 32.000 NOK und "Havnehagen" 20.000 NOK. Die Preisspanne entspricht einem Künstler, der in Norwegen echtes Sammlerinteresse genießt, ohne bisher nennenswerte internationale Aufmerksamkeit zu erregen.