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Piero Fornasetti
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Mailand gab Piero Fornasetti sein Rohmaterial und seine Obsessionen. Dort 1913 in eine wohlhabende bürgerliche Familie geboren, schrieb er sich 1932 an der Accademia di Brera ein, wurde aber zwei Jahre später wegen Ungehorsams ausgeschlossen. Diese rebellische Ader verließ ihn nie. Er arbeitete in Malerei, Druckgrafik, Innendekoration und Objektdesign mit einer Rastlosigkeit, die kategorische Etiketten nutzlos machte.
Der Wendepunkt kam auf der Triennale di Milano 1933, wo eine Serie von Seidenschals die Aufmerksamkeit von Gio Ponti, dem führenden italienischen Architekten und Designtheoretiker seiner Generation, auf sich zog. Die beiden schlossen eine jahrzehntelange Zusammenarbeit, die einige der formal erfinderischsten Möbel der Nachkriegszeit hervorbrachte. Ponti lieferte das strukturelle Denken; Fornasetti umhüllte jede Oberfläche mit seiner eigenen visuellen Welt, die aus neoklassizistischen Stichen, architektonischen Fragmenten, Spielkarten, Fischen und Sonnen aufgebaut war.
1952 begann er, was zum bestimmenden Projekt seiner Karriere werden sollte: die Serie Tema e Variazioni. Das Gesicht im Zentrum gehörte Lina Cavalieri, einer italienischen Opernsängerin, die um die Jahrhundertwende fotografiert wurde. Fornasetti entdeckte ihr Porträt in einer Zeitschrift des 19. Jahrhunderts und verbrachte die folgenden vier Jahrzehnte damit, es jeder erdenklichen bildlichen Transformation zu unterziehen. Cavalieris Gesicht erschien auf Tellern, Tabletts und Schränken, mit Brille, mit Schnurrbart, aufgelöst in architektonischen Ornamenten oder aus einem Sonnenfinsternis blickend. Bis zu seinem Tod war die Serie auf über 350 Variationen angewachsen.
Die Produktionsmethode hinter seinem Werk war ebenso unverwechselbar wie die Bildsprache. Fornasetti verwendete den lithografischen Transferdruck, um seine gravurähnlichen Illustrationen auf Keramik, Möbel und Metallobjekte aufzubringen, was ihm eine bemerkenswerte Bandbreite und ein bemerkenswertes Volumen ermöglichte. Zwischen den 1940er und 1980er Jahren produzierte sein Mailänder Atelier mehr als 13.000 Einzeldesigns. Die Serie Architettura, die Möbel mit Trompe-l'œil-Fassaden neoklassizistischer Gebäude umhüllte, gehörte zu den technisch überzeugendsten Ergebnissen: Treppenmotive schienen sich in den realen Innenraum fortzusetzen und ließen die Grenze zwischen Bild und Objekt verschwimmen.
Fornasettis Werk geriet in den 1970er Jahren aus der Mode, als der Minimalismus den Design Diskurs dominierte, und er arbeitete im letzten Jahrzehnt seines Lebens in relativer Vergessenheit. Er starb im Oktober 1988 während eines kleineren chirurgischen Eingriffs. Sein Sohn Barnaba belebte das Atelier anschließend wieder und brachte Fornasetti-Teller und -Objekte wieder in den internationalen Umlauf. Insbesondere die Keramiken, darunter die Serien Astronomici und Floralia, die regelmäßig auf nordischen Auktionshäusern auftauchen, haben über drei Jahrzehnte hinweg auf dem Sekundärmarkt ein beständiges Sammlerinteresse erfahren.