
KünstlerItaliangeb.1927–gest.2005
Piero Dorazio
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Geboren 1927 in Rom, reifte Piero Dorazio heran, als Italien sein kulturelles Leben nach Faschismus und Krieg wiederaufbaute. Seine frühe Ausbildung war ruhelos und unternehmerisch: 1947, noch als Teenager, gründete er zusammen mit Pietro Consagra, Achille Perilli und Giulio Turcato Forma 1, die erste manifestbasierte Gruppe italienischer abstrakter Künstler. Drei Jahre später eröffneten er und Perilli eine Bibliothek-Galerie in der Via del Babuino in Rom, die sich avantgardistischen Publikationen und abstrakten Werken widmete. Diese frühen institutionellen Schritte prägten, wer Dorazio werden sollte – nicht nur ein Maler, sondern ein Vermittler von Ideen über nationale Grenzen hinweg.
Der entscheidende Wandel kam 1953, als er nach New York reiste und in den Kreis von Mark Rothko, Robert Motherwell und Franz Kline eintrat. Die Begegnung vertiefte sein Denken über Farbe als räumliche Kraft, unabhängig von Form oder Erzählung. Zurück in Europa verfeinerte er, was zu seiner charakteristischen Methode werden sollte: ein transparentes Gitter aus verschlungenen chromatischen Bändern, die in horizontaler, vertikaler und diagonaler Ausrichtung angeordnet sind und Schichten optischer Vibrationen über die Leinwandoberfläche aufbauen. Kritiker ordneten diesen Ansatz dem zu, was Clement Greenberg als Post-Painterly Abstraction bezeichnete, obwohl Dorazios Werk eine ausgeprägt mediterrane Intensität aufweist – wärmer, sinnlicher als seine amerikanischen Gegenstücke.
Von 1960 bis 1969 lehrte er an der Graduate School of Fine Arts der University of Pennsylvania und verbrachte jedes akademische Semester in Philadelphia, während er sein Atelier in Europa unterhielt. In dieser Zeit half er bei der Gründung des Institute of Contemporary Art in Philadelphia. Seine Karriere als Pädagoge machte ihn zu einer echten transatlantischen Figur, die die italienische Abstraktion in direkten Dialog mit der amerikanischen Farbfeldmalerei brachte. Nach seinem Weggang aus Philadelphia verlegte er sein Atelier nach Umbrien, in die Nähe von Todi, wo er bis kurz vor seinem Tod 2005 in Perugia arbeitete.
Dorazios internationales Ansehen wurde durch wiederholte Beteiligungen an großen Überblicksschauen bestätigt: der Biennale von Venedig (1956, 1958, 1960, 1966, 1988), der Documenta 2 in Kassel und der wegweisenden Ausstellung des Museum of Modern Art von 1965, "The Responsive Eye". Seine Werke gingen in die ständigen Sammlungen des MoMA in New York, des Art Institute of Chicago, der Tate in London, der National Gallery of Art in Washington D.C. und der Peggy Guggenheim Collection in Venedig über.
Auf dem nordischen Auktionsmarkt erscheint Dorazio hauptsächlich über italienische Spezialhäuser: Wannenes Art Auctions und Pandolfini Casa d'Aste machen den Großteil seiner 19 registrierten Lose auf Auctionist aus. Seine Gemälde erzielen die höchsten Preise – ein Ölgemälde auf Leinwand aus dem Jahr 2002 mit dem Titel "Tipsy IV" wurde für 5.000 EUR verkauft –, während seine Drucke und Aquatinten auf zugänglicheren Niveaus gehandelt werden. Stockholms Auktionsverk Hamburg hat ebenfalls mehrere Werke veräußert, was auf ein übergreifendes Interesse nordischer Sammler an der europäischen Nachkriegsabstraktion hindeutet.