
KünstlerNorwegiangeb.1919–gest.2009
Joronn Sitje
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Zwischen 1928 und 1939 lebte Joronn Sitje mit ihrem zweiten Ehemann auf einer Farm in Kenia, und das Jahrzehnt, das sie dort verbrachte, prägte das markanteste Kapitel ihrer Karriere. In einem Klima und Licht, das sich völlig von dem Norwegens unterschied, malte sie die Menschen und die Landschaft Ostafrikas mit dicken Pinselstrichen und gesättigten Farben – Porträts von Mädchen des Nandi-Stammes, eines Kavirondo-Häuptlings namens Apot, weite offene Savannen – und schuf Leinwände, die eine Rohheit aufweisen, die in der norwegischen Malerei dieser Zeit selten zu sehen ist.
Sitje wurde am 30. April 1897 in Kristiania (heute Oslo) in eine Richterfamilie geboren. 1914 schrieb sie sich an der Norwegischen Nationalen Akademie für Handwerk und Kunstindustrie ein und studierte bei Oluf Wold-Torne und Lars Utne, doch eine Krankheit unterbrach ihr Studium. Sie ging nach Paris, wo sie in den Orbit des französischen Fauvisten Othon Friesz geriet und Anatomie bei dem schwedischen Maler Sigfrid Ullman studierte. Die Pariser Jahre gaben ihr die chromatische Zuversicht, die ihr reifes Werk kennzeichnen sollte.
Nach ihrer Rückkehr aus Kenia nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1942 ließ sie sich in Høn in Asker nieder und wandte sich dem Häuslichen und Lokalen zu – Porträts, Interieurs und die norwegische Landschaft. Ihre Tochter Franciska, Spitzname Bitte, taucht in diesen späteren Werken wiederholt auf und verleiht ihnen eine Intimität, die scharf im Kontrast zur Größe der afrikanischen Bilder steht. Sie illustrierte zwei Bücher ihres Mannes, „På afrikanske vidder“ (1932) und „Farmen ved elven“ (1933), was zeigt, dass ihr Engagement für Afrika über die Malerei hinausging.
Ihre Bandbreite ist in der norwegischen Kunstgeschichte ungewöhnlich: Expressionismus in den 1920er Jahren, ein Jahrzehnt afrikanischer Figuration und dann eine ruhigere norwegische Periode. Vier ihrer Kenia-Gemälde gingen in die Sammlung des Nationalmuseums von Norwegen über, darunter „Afrikansk kvinnehode“ (1930) und „Nandipiker“ (1932). Sie stellte auch im Kunstnernes Hus in Oslo aus.
Auf Auktionen erscheint Sitjes Werk fast ausschließlich über Grev Wedels Plass Auksjoner in Oslo, das alle 35 Objekte in der Auctionist-Datenbank hält. Ihre stärksten Ergebnisse sind „Ungdom 1934“ für 30.000 NOK und „Mother and Son 1935“ für 26.000 NOK. Der Markt ist konzentriert, aber konstant, wobei die Figuration aus der afrikanischen Periode typischerweise die höchsten Preise erzielt.