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Horst Janssen
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Nur wenige Künstler im Nachkriegsdeutschland hinterließen ein derart zwanghaft persönliches Werk wie Horst Janssen. Geboren am 14. November 1929 in Hamburg und nach dem Fehlen seines Vaters in seinem Leben von seiner Mutter und seinen Großeltern in Oldenburg aufgezogen, fand Janssen früh seinen Weg zur Kunst. Nach dem Tod seiner Mutter und seines Großvaters in den frühen Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde er in ein Nationalpolitisches Erziehungsheim in Haselünne eingewiesen und kehrte 1945 nach Hamburg zurück. Von 1946 bis 1951 studierte er an der Landeskunstschule Hamburg unter Alfred Mahlau, einem Lehrer, dessen Fundament in grafischem Handwerk Janssens Praxis jahrzehntelang prägen sollte.
Ein prägender Aufenthalt in Guido Dessauers Papierfabrik in Aschaffenburg (1952-1956) brachte ihn mit der Lithografie in Berührung. Paul Wunderlich war es jedoch, der ihm den Kupferstich lehrte, und diese Technik wurde zu dem Medium, das Janssen am weitesten vorantreiben sollte. Seine grafische Produktion umfasste schließlich rund 3.000 Radierungen und etwa 20.000 Zeichnungen, mit 47 verschiedenen Radierzyklen in seinem Katalog. Die schiere Menge ist bemerkenswert, aber noch bemerkenswerter ist die Kohärenz: Über Jahrzehnte hinweg kehrte Janssen zwanghaft zu einer kleinen Anzahl von Obsessionen zurück – Selbstporträts, erotische Fantasien, Tod und Vergänglichkeit, Stillleben und Landschaft – und bearbeitete sie mit einer Präzision, die Kritiker mit Rembrandt und Albrecht Dürer verglichen.
Besonders seine Selbstporträts wurden zu einem Markenzeichen. Janssen zeichnete sein eigenes Gesicht aus extremer Nahaufnahme und ungewöhnlichen Winkeln, vergrößerte die Hauttextur, bis jede Falte und jeder Makel sowohl hyperrealistisch präzise als auch seltsam halluzinatorisch war. Der Effekt schwankt zwischen schonungsloser Dokumentation und etwas fast Groteskem, widersteht stets der Schmeichelei, die die Porträtkunst so oft anstrebt. Daneben gab es die erotischen Werke – Zeichnungen und Drucke mit einer expliziten Sinnlichkeit, die in seinen persönlichen Beziehungen und in einer offenen Auseinandersetzung mit Verlangen, Verletzlichkeit und dem Körper wurzelte.
Die Anerkennung kam stetig. Der Hamburger Edwin-Scharff-Preis wurde 1966 verliehen, gefolgt zwei Jahre später vom Großen Preis für Grafik auf der Biennale Venedig 1968, einer der bedeutendsten Bestätigungen seiner Karriere. Seine erste große Retrospektive in der Kestner-Gesellschaft in Hannover im Jahr 1965 veranlasste den Direktor des Museums, ihn als „den größten Zeichner neben Picasso“ zu bezeichnen – eine Bemerkung, die weite Verbreitung fand und Janssen als etwas abseits der vorherrschenden Strömungen der Nachkriegsdeutschen Abstraktion positionierte. Er war in einem echten Sinne eine Gegenströmung: der Zeichnung, der Figuration, der Hand verpflichtet, in einer Zeit, in der sich ein Großteil der europäischen Kunstwelt von allen dreien abwandte.
Janssen starb am 31. August 1995 in Hamburg und wurde in Oldenburg beigesetzt. Fünf Jahre nach seinem Tod eröffnete die Stadt das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg, das heute die Hauptaufbewahrungsstätte seines Erbes ist. Die Hamburger Kunsthalle unterhält ebenfalls ein eigenes Janssen-Kabinett. Sein Markt ist hauptsächlich auf deutschen Auktionen wie Ketterer Kunst, Grisebach und Lempertz aktiv, wo Papierarbeiten regelmäßig den Besitzer wechseln; aktuelle Durchschnittspreise für seine Papierarbeiten liegen bei etwa 2.000-2.500 USD, wobei seltene Drucke deutlich höhere Preise erzielen. Auf Auctionist ist Janssen mit 40 Objekten vertreten, die stärkste Präsenz hat er bei Grev Wedels Plass Auksjoner in Oslo (13 Lose), was ein echtes nordisches Sammlerinteresse widerspiegelt, gefolgt von Stockholms Auktionsverk Hamburg und Düsseldorf/Neuss. Zu den Top-Verkäufen auf der Plattform gehören eine Figurenbildkomposition von 1981 und ein Selbstporträt aus demselben Jahr, beide in Norwegen verkauft.