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Erich Wolfsfeld
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Erich Wolfsfeld wurde 1884 in Krojanke, einer kleinen preußischen Stadt, die heute Krajenka in Nordwestpolen ist, in eine jüdische Familie geboren. Als er zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Berlin, und die Stadt prägte die erste und produktivste Phase seiner Karriere. Er schrieb sich 1902 an der Berliner Akademie ein, wo er bis 1913 unter anderem bei Konrad Bose, einem direkten Schüler von Adolph Menzel, studierte. Er verbrachte auch Zeit an der Académie Julian in Paris unter Jules Lefebvre und lernte im Atelier von Hans Meyer die Radierkunst. Die Kombination gab ihm eine ungewöhnlich solide technische Grundlage sowohl in der Malerei als auch im grafischen Druck.
Im Jahr 1905, noch als Student, erhielt er den Auftrag der preußischen Regierung, Radierungen von byzantinischen Fresken in den Ruinen von Priene in der Türkei anzufertigen. Die Reise war eine Offenbarung. Das Licht, die Gesichter und das tägliche Leben der osmanischen Welt öffneten eine Ader, die sein Werk jahrzehntelang durchziehen sollte. 1910 gewann seine Radierung „Die Bogenschützen“ die Kaiser-Wilhelm-Goldmedaille – eine der höchsten akademischen Auszeichnungen, die einem deutschen Künstler damals zur Verfügung stand. Er diente im Ersten Weltkrieg in der deutschen Armee und wurde 1920 Professor für Malerei und Radierung an der Berliner Akademie, eine Position, die ihn durch die 1920er und frühen 1930er Jahre in den Mittelpunkt des deutschen akademischen Kunstlebens stellte.
In den Zwischenkriegsjahren nutzte Wolfsfeld seine Sommerferien für ausgedehnte Reisen nach Marokko, Ägypten, Palästina und in die Türkei. Er trug Rollen mit behandeltem Papier mit sich und arbeitete direkt nach dem Leben, wobei er Figuren auf Märkten, ruhende Karawanen und Straßenszenen in Marrakesch festhielt. Er bearbeitete Motive auch später im Atelier anhand von Skizzen und Fotografien. Diese orientalischen Szenen – mit der sicheren Zeichenkunst eines ausgebildeten Akademikers wiedergegeben, aber durch direkte Beobachtung belebt – wurden zu den Werken, für die er am bekanntesten ist. 1928 unternahm er eine Reise durch Ägypten und Palästina, die ihn tief bewegte und zu einem veröffentlichten Reisebericht mit dem Titel „Eindrücke von einer Orientreise“ führte. Zu seinen Motiven aus dieser Zeit gehören Isaaks Opferung, biblische Szenen, Schlangenbeschwörer in Marrakesch und einfühlsame Porträts arabischer Männer und Frauen.
Zu den Studenten, die sein Atelier an der Berliner Akademie durchliefen, gehörte Lotte Laserstein, die dort von 1921 bis 1927 studierte und in ihren letzten beiden Jahren seine Meisterschülerin wurde. Laserstein schrieb Wolfsfeld später zu, ihr durch Menzel und Wilhelm Leibl Zugang zur deutschen realistischen Tradition verschafft zu haben, und die Intensität seiner Lehre prägte ihr lebenslanges Engagement für den figurativen Realismus.
1935 oder 1936 beendeten die antisemitischen Gesetzgebungen der Nationalsozialisten seine Professur. Er blieb bis 1939 in Deutschland, als er und seine Frau nach Großbritannien emigrierten. Er wurde zunächst als feindlicher Ausländer auf der Isle of Wight interniert, bevor er freigelassen wurde und sich in London niederließ. Kurz vor dem Krieg führte eine Ausstellung seiner Werke in der Graves Art Gallery in Sheffield zu Porträtaufträgen in Großbritannien. Sein Porträt des Bildhauers Sir Goscombe John kam in die Sammlung der National Portrait Gallery in London. Er nahm ab 1950 an Gemeinschaftsausstellungen in der Ben Uri Gallery teil und hatte 1953 eine Einzelausstellung im Derby Museum. Eine Gedenkausstellung fand 1958, zwei Jahre nach seinem Tod in London, in der Ben Uri statt.
Auf der Plattform Auctionist ist Wolfsfeld mit 11 Objekten vertreten, die alle über Bukowskis Stockholm (10 Lose) und Stockholms Auktionsverk Düsseldorf/Neuss (1 Los) liefen. Die Lose sind überwiegend Radierungen und Druckgrafiken, was der breiten Streuung seines grafischen Werks aus den Berliner Jahren entspricht. Motive sind biblische Szenen, Porträts, Karawanen und Figuren aus Nordafrika. Der höchste verzeichnete Verkaufspreis ist 1.605 SEK für „Porträtt av en man“, eine einzelne Radierung, was seinen aktuellen Status als Nischenname und nicht als breit gehandelter Künstler auf dem nordischen Markt widerspiegelt.