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Carl Gunne
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Carl Mikael Gunne führte ein eher ungewöhnliches Doppelleben in der schwedischen Kunstgeschichte – er bewegte sich mit gleicher Autorität zwischen dem Atelier und den administrativen Korridoren des Nationalmuseums. Geboren am 29. September 1893 in Sundsvall, begann er seine künstlerische Ausbildung bei Herman Osslund, dem in Ångermanland geborenen Landschaftsmaler, dessen kühner Sinn für Farbe eine Generation nordschwedischer Künstler nachhaltig prägte. Gunne absolvierte dann ein akademisches Studium an der Universität Uppsala, erwarb 1915 einen Bachelor of Arts und 1920 einen juristischen Abschluss, bevor er kurzzeitig als Attaché im Außenministerium tätig war.
1921 trat Gunne dem Nationalmuseum in Stockholm bei und koordinierte bis 1923 staatliche Ausstellungen schwedischer Kunst im Ausland, darunter zwei bedeutende Präsentationen in Paris 1927 und 1929. Sein tiefster institutioneller Beitrag erfolgte in den 1930er Jahren, als er von 1932 bis 1937 Direktor der Abteilung für moderne Gemälde und Skulpturen des Museums war und 1936 den ersten systematischen Katalog der Gemäldesammlung erstellte. Im selben Jahr erschien sein eigenes Werk im Kunstwettbewerb der Berliner Olympischen Sommerspiele, was ihn gleichzeitig auf beiden Seiten der institutionellen Kluft positionierte.
Als Maler gehörte Gunne zu den Optimisterna, der lockeren Gruppierung früher schwedischer Modernisten, die sich Mitte der 1920er Jahre teilweise als Reaktion auf das polemischere Programm der Falangen bildete. Seine Leinwände neigen eher zur Beobachtung als zur Theorie: Hafenmorgen an der Bohus-Küste, die arbeitenden Kais von Göteborg, Winterfelder, Blumenarrangements und Frauenstudien. Motive wie Varholmen und Smögen tauchen in seinem Werk ebenso wieder auf wie die Intimität von Frauen bei der Handarbeit oder sonnenbeschienene Stillleben. Seine Auseinandersetzung mit dem französischen neuen Realismus, die er während seiner Pariser Jahre aufnahm, verlieh seinem Pinselstrich eine Direktheit, die zwischen der schwedischen Plein-air-Tradition und dem europäischen Naturalismus der Zwischenkriegszeit liegt.
Porträtaufträge brachten Gunne in die Nähe der schwedischen Königsfamilie. Er malte König Gustaf V., Kronprinz Gustaf VI. Adolf, Prinz Eugen und Prinz Bertil – eine Liste, die von seinem Ansehen im Stockholmer Kulturbetrieb Mitte des Jahrhunderts zeugt. Beispiele seiner Arbeit fanden Eingang in die Sammlungen des Nationalmuseums, von Waldemarsudde des Prinzen Eugen sowie in Museen in Helsinki, Antwerpen und Budapest.
Gunne starb am 3. Mai 1979 im Alter von 85 Jahren in Stockholm. Auf Auktionen erscheinen seine Gemälde regelmäßig in schwedischen Auktionshäusern. Zu den höchsten verzeichneten Verkäufen bei Auctionist gehören Hafenszenen aus Göteborg (850 SEK) und eine datierte Varholmen-Tafel von 1936, wobei Werke unter anderem von Helsingborgs Auktionskammare, Stockholms Auktionsverk, Metropol und Stadsauktion Sundsvall gehandelt wurden. Der Markt ist auf bescheidenem Niveau konstant, wobei alle 27 erfassten Werke als Gemälde kategorisiert sind.